Ganztagsschulkongress M-V 2012

„Selten habe ich solch eine Vielfalt an Teilnehmern erlebt wie hier“ sagte Prof. Dr. Karsten Speck von der Universität Oldenburg auf dem 1. Ganztagsschulkongress Mecklenburg-Vorpommern. 65 Schuleiter, 55 Lehrer, 25 Schulsozialarbeiter, 25 Schüler, sieben Eltern, 55 Partner, 10 Träger und  15 Mitarbeiter aus Ministerien und Universitäten trafen sich zum intensiven Gedankenaustausch.

Prof. Specks Eröffnungsvortrag  zur Kooperationskultur an Ganztagsschulen traf die Interessen der Teilnehmer voll und ganz. Erfahrungen und Lernen von bisherigen Kooperationen in der Ganztagsschule, wofür sind Kooperationen sinnvoll, wie sind sie zu gestalten und wo gibt es Entwicklungsbedarfe?  Zwei  Foren arbeiteten mit dem Thema  Kooperation in der Schulpraxis, begleitet von Dr. Ilse Kamski, weiter.  Maren Wichmann, Programmleiterin aus der DKJS, erinnerte daran, dass die Ganztagsschulen heute mehr Lehrer als Bildungsbegleiter brauchen. In der Zeit von Internet und Informationsflut ist die Zeit der „Fachwissensgeber“ vorbei. Ganztagsschulen mit mehr Zeit bieten viele Möglichkeiten Lernen neu zu gestalten.

Fünfzehn Ganztagsschulen mit Praxisbeispielen  aus ihrem Alltag und mehr als 20 Aussteller stellten ihre Angebote vor. In Foren wurde lebhaft diskutiert  wie Schule der Vielfalt ihrer Themen und Schüler gerecht werden kann und wie die Ganztagsschule ein Ort werden kann, an dem sich Schüler und Lehrer wohlfühlen können.

Mehr Schüler- und Elternpartizipation wurde nachgefragt und Schüler waren in zwei Foren auch als Referenten aktiv. Demokratie lernen war ein Thema und im Kino wurden Filme von Schüler aus dem Wettbewerb „Klappe gegen rechts“ gezeigt. Schulsozialarbeit und kommunale Kooperationen waren ebenfalls intensiv diskutierte Bereiche.

Das vor dem Kongress in der Presse thematisierte Thema kulturelle Bildung in der Ganztagsschule wurde aus der Sicht der Künstler diskutiert, war aber auch ein zentrales Thema im Gespräch mit den bildungspolitischen Sprechern der fünf  Parteien. Beim Thema Selbständige Schule wurde von vielen TeilnehmerInnen wiederholt darauf hingewiesen, dass die vorhandenen Möglichkeiten noch zu stark von Formalien und anderen Hürden behindert werden. Während die Vertreter der Koalitionsparteien auf laufende Verhandlungen, aber auch die notwendige Priorisierung bei der Verwendung knapper Mittel verwiesen, mahnten die Teilnehmer des Kooperationssalons „Politik trifft Praxis“ Bildungspolitik nicht auf die Einstellung junger Lehrer zu reduzieren und die Bedingungen vor Ort in Ihrer Gesamtheit zu beachten. Deshalb wurde sich auch mehr konzeptionelle Zusammenarbeit zwischen den Parteien und nicht nur punktuelle Aussagen zur Weiterentwicklung der Ganztagsschulen gewünscht. Vorgeschlagen wurde z. B. die aktuellen Themen Ganztagsschule  und Inklusion zu verbinden.

Viele Teilnehmer wünschten, dass der Kongress nicht der letzte sei. Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ M-V bleibt an diesem Thema dran. Für das Jahr 2013 sind mehrere Hospitationen und der weitere Ausbau der Ganztagsschulnetzwerke vorgesehen.

Sie können Dokumentationen vom Kongress unter www.mv.ganztaegig-lernen.de/bibliothek/materialien lesen.