Alle Kinder sind Inklusionskinder - Hospitation an der Montessori Schule Greifswald

So lautet das Konzept der Montessori Schule Greifswald zum Thema Inklusion.  In Zusammenarbeit mit der Serviceagentur Ganztägig lernen  M-V hat die Montessori Schule Greifswald zum Thema Montessori-Pädagogik und Inklusion zu einer Hospitation eingeladen. Dieser Einladung folgen am 05.11.2013 19 TeilnehmerInnen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern.

 

Am Vormittag besichtigen die Gäste zunächst den Schulneubau und erfahren von den vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten, die das moderne Gebäude den SchülerInnen und Lehrkräften bietet. Die angeregten Gespräche und Diskussionen drehen sich dann natürlich rund um das Thema Montessori Pädagogik. So ist zu erfahren, dass sich in allen Klassen das Teamteaching durchgesetzt hat - und dass Zensuren keine Rolle spielen. Stattdessen führen die LehrerInnen regelmäßig Entwicklungsgespräche mit den SchülerInnen und pflegen einen sehr engen Kontakt mit deren Elternhaus. Ein weiter bedeutsamer Aspekt, wie Schulleiter Nils Kleemann betont, sei das breite Mitbestimmungsrecht der LehrerInnen an seiner Schule. Diese entscheiden ganz demokratisch bei der Ausstattung ihrer Klassenräume, Neuanschaffungen, der Sitzordnung und generell bei allen schulischen Dingen mit.

Das alles hat auf den ersten Blick recht wenig mit Inklusion zu tun, aber gerade auch diese Dinge unterstützen eine erfolgreiche Inklusion. So sind beispielsweise, auf Nachfrage einer Klassenlehrerin, den hospitierenden TeilnehmerInnen die ‚offiziellen‘ Inklusionskinder nicht unbedingt sofort aufgefallen. Dies hängt nach Aussage von Nils Kleemann damit zusammen, dass in seiner Schule alle Kinder als Inklusionskinder angesehen werden. Jedes Kind hätte Begabungen und Talente, aber auch Schwächen, so Kleemann weiter. Diesen in der Schule zu begegnen, sei stets schwierig und bedarf einer individuellen Unterstützung jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin. Deshalb wird innerhalb der Montessori Pädagogik auch der Epochal Unterricht in den Mittelpunkt des schulischen Alltags gerückt.

Die TeilnehmerInnen der Hospitation können sich dann auch ein Bild vom Umgang mit 100% Inklusionskindern machen und besuchen in drei Gruppen drei verschiedene Altersstufen. Gemischte Jahrgänge mit dem Ziel einer erhöhten Sozialkompetenz sind integraler Bestandteil der Montessori Pädagogik. Hier fragen die Besucher auch direkt bei den SchülerInnen nach, was Ihnen an Ihrer Schule gefällt. Einige der SchülerInnen erwähnen, dass Sie die iPads besonders toll finden, andere, dass es im Unterricht nicht so laut ist, sie sich dadurch gegenseitig besser unterstützen und austauschen  können, dass sie viel Platz haben und sich während der Projekte oder des Epochal Unterrichts ausbreiten können. In der Stufe 2 bestaunen die Gäste verschiedene Präsentationen und Materialien zum Thema Ägypten, während die Stufe 3 gerade ganz spannende Vorbereitungen für die anstehende Exkursion zum Thema Mittelalter vornimmt. Der Vorteil, den der Schulleiter an dieser Art des Unterrichts sieht: jede Schülerin und  jeder Schüler  und kann sich einbringen und seine Fähigkeiten weiterentwickeln.

 

Nach der ausgedehnten Führung gibt Nils Kleemann noch einen kleinen Einblick in die alltägliche Schülerarbeit mit dem besonderen Montessori Material und verblüfft die Teilnehmer mit einem Beispiel: dem ganz praktisch erfahrbaren Quadrieren und Wurzelziehen. Dabei berichtet er von einem lernbehinderten Schüler, der in seiner Klasse vollkommen integriert sei und mit seinen MitschülerInnen zusammen die Kuben, Quadrate, Zahlenschlangen und Perlen legt, die das Quadrieren nach Montessori erfordert. Das sei es auch, was altersgemischte Jahrgangsstufen und offenen Unterricht so erfolgreich mache. Die SchülerInnen können sich untereinander fördern und die älteren den Jüngeren etwas beibringen. Überdies ermöglicht der Stundenplan eine flexible Gruppenzusammenstellung in einzelnen Fächern, weil Mathe bzw. Deutsch in den höheren Stufen parallel unterrichtet werden und sounterschiedliche SchülerInnen zwischen den einzelnen Stufen wechseln können.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen findet der Tag seinen Abschluss in einer ausgedehnten Gesprächsrunde aller Teilnehmer mit der Schulleitung und den drei hospitierten Lehrerinnen. Hier wird viel diskutiert über Umsetzungsmöglichkeiten an den Schulen der TeilnehmerInnen.  Nils Kleemann ermutigt alle, sich etwas zu trauen. Neues auszuprobieren und keine Angst vor Inklusion haben. Sicherlich bedarf es einer sehr engen Zusammenarbeit und eines intensiven Austausches sowie gegenseitiger Erziehung von Lehrkräften, SchülerInnen und Eltern. Dies wird in der Montessori Schule gewährleistet durch Pensenbücher, Lernentwicklungsgespräche oder Lernverträge. Bei den ‚schwierigeren‘ Integrationsfällen müsse überdies eine intensive Arbeit mit dem Jugendamt, den Krankenkassen oder den Integrationshelfern stattfinden.