Partizipation braucht Zeit, Ziele und Kultur

Die HospitationsteilnehmerInnen sitzen im modernen Klassenraum und hören den SchülerInnen der Schülervertretung (SV) zu. Die SV besteht aus gewählten Klassensprechern und Freiwilligen.

Frau Henkelmann, Schulsozialarbeiterin, führt mit der SV einen Workshop zur letzten Umfrage am Eldenburg Gymnasiums Lübz durch. Die SOL-Zeit (Selbstorganisiertes Lernen) liegt allen schwer im Magen. Es muss nachgebessert werden bei Anrechnungszeiten, Aufgaben, Aufsichten und Räumen. Die Lösung: eine AG aus Lehrern und Schülern. Die Schüler wissen, das Problem kann nur gelöst werden, wenn Austausch und Perspektivwechsel gegeben sind.

Diese Art der Zusammenarbeit ist durch das Selbstverständnis der Schulleitung geprägt. "Das wir alle so weit sind, dass wir jetzt konstruktiv miteinander arbeiten können, dass hat schon 3 Jahre gedauert“, erzählt Franka Waburg, stellvertretende Schulleiterin. Dank ihrer Initiative wird in Lübz Partizipation groß geschrieben. „Wir führen regelmäßige Evaluationen durch, darin sind wir an unserer Schule schon richtige Experten“. Zusätzlich etablierte die Schulleitung ein Potpourri an Mitwirkungsmöglichkeiten. Neben der Schülervertretung standen die Schülerfirma TECHNICA Light & Sound und die Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SOR) Gruppe im Mittelpunkt der Hospitation aus der Reihe "Ganztagsschule öffnen Türen". 

 

Ungläubig schauen die TeilnehmerInnen auf die Show der TECHNICA Schülerfirma – Eine Lightshow wie man sie aus der Disko kennt verzaubert alle Anwesenden. „Wir sind dabei unsere Technik auf LEDs umzustellen, dass ist günstiger für den Stromverbrauch. Bei den alten Lampen sind 5000Watt verbraucht worden, mit den LEDs sind's nur noch 50Watt.“, berichtet William. Justus erklärt das Geschäftsmodell und gibt Einblicke in die Kalkulation, Buchhaltung und ins Auftragsbuch. Nach der Finanzierung befragt, anwortet Justus, dass sie sich just ein Mischpult für mehrere Tausend Euro angeschafft haben – finanziert durch ihre Einnahmen. So macht es TECHNICA schon seit mehreren Jahren. Nach Abzug aller Kosten wird für Technik gespart. Unterstützung gibt's von Thomas Evers, Serviceagentur Schülerunternehmen. Der gerade erst das Siegel "Klasse Unternehmen" an TECHNICA verleihen durfte.

Aufträge hat TECHNICA viele, von  Schulveranstaltungen und  Dorffesten bis zu Geburtstagen und Hochzeiten. „Das erfordert Arbeit und Zeit außerhalb der Schule, aber die nehmen wir uns gerne.“, berichtet William. Die Schulleitung unterstützt das Engagement durch Anrechnungszeiten in der SOL-Zeit, das Anerkennen der Schülerfirma als Wahlpflichtunterricht, einen Raum sowie eine Freistellung bei Aufträgen die manchmal in der Schulzeit liegen.

 

So arbeitet auch die SOR Gruppe. Ein- bis zweimal die Woche trifft man sich und plant Aktivitäten mit Unterstützung vom Betreuungslehrer Herr Vorhauer. Der koordiniert die Aktivitäten, schlägt gleichberechtigt Aktivitäten vor, rechnet die SOL-Zeit und den Wahlpflichtunterricht an und ist  „Mädchen“ für alles.

„Jede SOR-Gruppe braucht einen Paten aus dem öffentlichen Leben und muss 70% aller an einer Schule tätigen, also auch Lehrer und Hausmeister, zur Unterschrift bewegen.“, erklärt Katrin Meier vom RAA Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg. Die SOR-Gruppe findet sich noch - ein Generationenwechsel ist die Ursache. „Viele Mitglieder sind erst seit Beginn des Schuljahres dabei, aber bringen eine Menge Ideen in die Gruppe“, erklärt Vorhauer. Fürs Schuljahr sind viele Aktivitäten geplant: Kochen mit Flüchtlingen, eine Lesung, Besuch einer anderen  SOR-Gruppe, eine Ausstellung und sich mit dem Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auseinander zu setzen. „Wir müssen selbst Bescheid wissen bevor wir Schüler durch unsere Ausstellung begleiten. Außerdem wollten wir eine eigene Ausstellung schaffen, aber wir üben lieber noch mal mit der Ausstellung vom letzten Schuljahr.“, berichtet ein Mädchen.

Für allgemeine Aufregung sorgte eine Erfahrung aus dem letzten Bundestagswahlkampf, als es trotz Genehmigung des Bügermeisters beim plakatieren gegen Rechte zu einer Auseinandersetzung kam. So viel Aufregung herrscht nicht immer, dann steht wieder die Auseinandersetzung mit dem Thema oder die Fahrt zum Landestreffen der SOR-Gruppen in M-V auf der Tagesordnung.

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